Tripsdrill Artikel
"Die Attraktionen sind heute die Besucher"
Von Joachim Rüeck
Minusrekord bei Regen und Schnee - Der Vergnügungspark Tripsdrill erlebt den schlechtesten Osterbesuch seiner Geschichte
Wenn morgens im Vergnügungspark die Angestellten Schnee schippen, muss man kein Prophet sein, um zu wissen: Der Besucherandrang wird sich in Grenzen halten. Tripsdrill erlebte das am schlechtesten besuchte Osterwochenende seiner Geschichte.
Dick eingemummt und mutterseelenallein sitzt die Frau im Armbruststand. Fast schon höhnisch grinst eine große Plastikfigur neben ihr.
Die Eisfahne flattert an der Bretterbude. Es ist so bitterkalt, dass sogar die Taube im benachbarten Schlag bleibt.
Gugelhupf und Tassen - Dinge, die im Erlebnispark Tripsdrill nicht zum Verzehr oder als Gefäß für den nachmittäglichen Kaffee, sondern zum Fahren bestimmt sind - bleiben ebenso leer wie Badewannen, Weinkübel oder Achterbahnwägen, in denen sich an frühlingshaften und sommerlichen Feiertagen massenhaft Gäste kreischend zu vergnügen pflegen.
"Die Attraktionen sind heute die Besucher", flüchtet sich Helmut Fischer, einer der Inhaber, in Ironie. An Karfreitag und Samstag seien immerhin noch insgesamt knapp 2000 Gäste in Tripsdrill gewesen.
30 bis 40 vom miesen Wetter Unbeeindruckte verirren sich nun am Ostersonntag auf dem Gelände am Cleebronner Michaelsberg. "Das denkt mir nicht, dass einmal so wenig Betrieb war.
Normalerweise kommen da zwischen 5000 und 6000 Leute, am Ostermontag noch mehr." Der Vergnügungspark-Chef erzählt es, ohne zu jammern. Er ist lange genug dabei, um zu wissen, dass sein Geschäft nunmal vom Wetter abhängig ist.
Dabei hätte der Mann allen Grund zu klagen. Das Personal ist zwar an dem Tag auf 50 reduziert worden, dennoch sind gerade mehr Angestellte als Besucher da.
Andere Parks in der Republik haben über die Feiertage ihre Tore erst gar nicht geöffnet. "Wir haben aber Verpflichtungen Reiseveranstaltern gegenüber", erklärt Fischer.
Der trostlose Rundgang führt zum Waschzuber-Rafting. Ein Schild warnt: " Nichts für Waschweiber und Waschlappen".
Das Wetter auch nicht. Und da die Menschen waschlappenhaft weniger vor der Abfahrt als vor der Witterung gekuscht haben, steht die Anlage an diesem Tag meist still. Zu teuer, sagt Helmut Fischer.
Für den Betrieb müssen 4500 Liter Wasser in der Sekunde fließen, das mache Energiekosten in Höhe von 180 Mark pro Stunde, rechnet er.
Die lebensgroßen Puppen, die - um den Besuchern die Wartezeit vor der Fahrt zu verkürzen - zeigen, wie zu Omas Zeiten gewaschen wurde, bleiben im Waschhaus unter sich. Ebenfalls nichts für Weicheier ist die Achterbahn "G'sengte Sau".
Allerdings weiß man an diesem Ostertag nicht, was fieser ist: die Kurven und Senken oder der schneidende Wind.
Und während die eigens für die Feiertage eingekauften Blumen traurig die Köpfe hängen lassen, kommt doch noch eine Gästegruppe des Weges: Eine Familie aus Mainz hatte den Ausflug schon länger gebucht. Ein Trost bleibt den Unentwegten: Wenigstens müssen sie sich nirgendwo anstellen.
17.04.2001 Heilbronner Stimme
Jens Uwe Kupka
http://www.henson.com/cards/images/everyday_06s.gif
http://212.227.177.77/JUK/hp_banner.jpg
http://www.hansaparkfan.de
Von Joachim Rüeck
Minusrekord bei Regen und Schnee - Der Vergnügungspark Tripsdrill erlebt den schlechtesten Osterbesuch seiner Geschichte
Wenn morgens im Vergnügungspark die Angestellten Schnee schippen, muss man kein Prophet sein, um zu wissen: Der Besucherandrang wird sich in Grenzen halten. Tripsdrill erlebte das am schlechtesten besuchte Osterwochenende seiner Geschichte.
Dick eingemummt und mutterseelenallein sitzt die Frau im Armbruststand. Fast schon höhnisch grinst eine große Plastikfigur neben ihr.
Die Eisfahne flattert an der Bretterbude. Es ist so bitterkalt, dass sogar die Taube im benachbarten Schlag bleibt.
Gugelhupf und Tassen - Dinge, die im Erlebnispark Tripsdrill nicht zum Verzehr oder als Gefäß für den nachmittäglichen Kaffee, sondern zum Fahren bestimmt sind - bleiben ebenso leer wie Badewannen, Weinkübel oder Achterbahnwägen, in denen sich an frühlingshaften und sommerlichen Feiertagen massenhaft Gäste kreischend zu vergnügen pflegen.
"Die Attraktionen sind heute die Besucher", flüchtet sich Helmut Fischer, einer der Inhaber, in Ironie. An Karfreitag und Samstag seien immerhin noch insgesamt knapp 2000 Gäste in Tripsdrill gewesen.
30 bis 40 vom miesen Wetter Unbeeindruckte verirren sich nun am Ostersonntag auf dem Gelände am Cleebronner Michaelsberg. "Das denkt mir nicht, dass einmal so wenig Betrieb war.
Normalerweise kommen da zwischen 5000 und 6000 Leute, am Ostermontag noch mehr." Der Vergnügungspark-Chef erzählt es, ohne zu jammern. Er ist lange genug dabei, um zu wissen, dass sein Geschäft nunmal vom Wetter abhängig ist.
Dabei hätte der Mann allen Grund zu klagen. Das Personal ist zwar an dem Tag auf 50 reduziert worden, dennoch sind gerade mehr Angestellte als Besucher da.
Andere Parks in der Republik haben über die Feiertage ihre Tore erst gar nicht geöffnet. "Wir haben aber Verpflichtungen Reiseveranstaltern gegenüber", erklärt Fischer.
Der trostlose Rundgang führt zum Waschzuber-Rafting. Ein Schild warnt: " Nichts für Waschweiber und Waschlappen".
Das Wetter auch nicht. Und da die Menschen waschlappenhaft weniger vor der Abfahrt als vor der Witterung gekuscht haben, steht die Anlage an diesem Tag meist still. Zu teuer, sagt Helmut Fischer.
Für den Betrieb müssen 4500 Liter Wasser in der Sekunde fließen, das mache Energiekosten in Höhe von 180 Mark pro Stunde, rechnet er.
Die lebensgroßen Puppen, die - um den Besuchern die Wartezeit vor der Fahrt zu verkürzen - zeigen, wie zu Omas Zeiten gewaschen wurde, bleiben im Waschhaus unter sich. Ebenfalls nichts für Weicheier ist die Achterbahn "G'sengte Sau".
Allerdings weiß man an diesem Ostertag nicht, was fieser ist: die Kurven und Senken oder der schneidende Wind.
Und während die eigens für die Feiertage eingekauften Blumen traurig die Köpfe hängen lassen, kommt doch noch eine Gästegruppe des Weges: Eine Familie aus Mainz hatte den Ausflug schon länger gebucht. Ein Trost bleibt den Unentwegten: Wenigstens müssen sie sich nirgendwo anstellen.
17.04.2001 Heilbronner Stimme
Jens Uwe Kupka
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