Bush Gardens Artikel in der SZ

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Bush Gardens Artikel in der SZ

Moin
Einen sehr guten Artikel über Bush Gardens habe ich in der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung gefunden:
Grüsse
Jakob

First public train rider on Colossos

www.holidaysearch.de


10.04.2001 10:21


Florida

Die wilden Tiere von Tampa


Der Vergnügungspark Busch Gardens in Florida inszeniert den schwarzen Kontinent als große Oper.


von Andrian Kreye

Ein kurzer Stoß. Der Geländewagen scheint sich aufzubäumen. Dann greifen die Räder in den trockenen Erdboden, schieben das Gefährt über einen Hügel, und plötzlich taucht von rechts diese Giraffenherde auf. Majestätische Tiere, die ihre absurden Proportionen mit eleganter Leichtigkeit über den Savannenboden federn lassen. Neugierig nähern sie sich dem Gefährt, recken ihre knöchrigen Schädel in die Ladefläche des Pickups und greifen mit fleischigen Lippen nach den Blättern, die ihnen die Besucher schüchtern entgegen strecken. Heißer Tieratem über den Handrücken. Fell streift Haut. Safariglück.

Zwanzig Minuten dauert die Fahrt durch die Savannenlandschaft des Busch Gardens Theme Parks in Tampa, Florida. Zwanzig Minuten von einer Erlebnisqualität, die man auf einer echten Safari niemals erreichen würde.

Da kreuzt man tagelang durch die Landschaft, um dann von Ferne ein paar verstreute Tiere zu erspähen. Aber das mit der Realität ist sowieso ein Problem. Sie vollzieht sich in Echtzeit. Das ist langweilig. Das ist mühsam. Das passt nicht zu unserem modernen Erlebnisempfinden. Glaubt man dem Drehbuchautor William Goldman, dann ist der wichtigste Kunstgriff des Kinos, dass der Zuschauer jede Szene erst auf dem Höhepunkt zu sehen bekommt. Banalitäten wie Anreise, Ankunft oder Begrüßung werden nur berücksichtigt, wenn sie für den Verlauf der Handlung wichtig sind. Den Rest konstruiert der Zuschauer in seinem Kopf automatisch dazu. Eine gelungene Inszenierung lebt davon, so viel wie möglich wegzulassen. Was bleibt, ist die Essenz.

Nach einem ganz ähnlichen Prinzip funktionieren auch die amerikanischen Theme Parks, die man nicht mit Vergnügungsparks verwechseln sollte. Theme Parks verstehen sich als dreidimensionale Fortsetzung des Kinos. Die Besucher werden in geschlossene Erlebniswelten versetzt, damit sie innerhalb kürzester Zeit so viel wie nur möglich erleben. Genauso wie im Kino soll die gesamte Gefühlspalette inklusive aller fünf Sinne aktiviert werden. Das fordert die höchste Kunst der Simulation. Die Wirklichkeit wird auf Bilder komprimiert, die in den Köpfen der Besucher schon existieren und so in der Simulation ein Echtheitsgefühl auslösen, für das die Realität ungleich viel länger bräuchte. Im Prinzip haben die Theme Parks also die Virtual Reality vorweg genommen, die der Architekt und Kulturkritiker Paul Virilio nicht im Cyberspace ansiedelt, sondern in „der Verstärkung der optischen Dichte des Erscheinungsbildes der realen Welt“.

Der allererste Theme Park ist noch gar nicht so alt. 1955 eröffnete Walt Disney nicht weit von Los Angeles sein legendäres Disneyland. Und weil schon in der ersten Saison 3,8 Millionen Besucher kamen, entstand bald eine Industrie, die, im ganzen Land verteilt, riesige Parks aufzog. Heute sorgen in den Dutzenden von Parks rund 250 Millionen Besucher pro Jahr für einen Umsatz von rund zehn Milliarden Dollar. Das sind bessere Zahlen als für die Nationalsportarten Baseball, Football, Eishockey und Basketball zusammen.

Die Budweiser-Brauerei Annheuser Busch war eine der ersten Firmen, die das Potenzial dieser Industrie erkannten. 1959 eröffneten sie am Rand von Tampa an der Golfküste von Florida die Busch Gardens. Doch statt Fantasiewelten aufzubauen, verlegten sie sich auf die Simulation einer Wirklichkeit, die nach echtem Abenteuer klang: Afrika.

Was als bescheidener Tierpark mit einer Voliere und ein paar Buden begann, ist heute einer der größten Theme Parks Floridas. Ein marokkanischer Basar dient als Schleuse zwischen Wirklichkeit und Schein. Flache, sandsteinfarbene Wüstenhäuser drängen sich aneinander. Geschäfte, Infostände, eine Eisdiele. Gassen winden sich unter Torbögen und Baumdächern. Bei amerikanischen Besuchern, die sich in ihren Suburbias meist in rechtwinklig angelegten Umfeldern bewegen, lösen die scheinbar willkürlich verlaufenden Wege die erste Alltagsstarre auf. Die Aufführung kann beginnen.

Erster Akt. Die Serengeti Tour. Kilometerweit scheint sich die Savanne unter dem gleißenden Tropenlicht der Sonne Floridas auszubreiten, auch wenn das Areal schon nach ein paar hundert Metern an den Mauern endet, die geschickt unter dem Busch versteckt sind. Mit dem Geländewagen geht es an den Zebras vorbei durch eine Herde Antilopen zu den Giraffen. Etwas unruhig ist die Fahrt über die Piste, aber Wildnis ist ja Programm.

Die Simulation funktioniert. Nach zwanzig Minuten Fahrt hat man das Gefühl, eine fremde Welt bereist zu haben. Die Bilder kannte man aus Naturfilmen. Die Gerüche, Geräusche, das Gefühl der Tierfelle und die friedliche Tropenstimmung waren neu. So eingestimmt geht es zu Fuß gleich weiter.

Kaum sichtbar vom Rest der Tiere getrennt, leben die Fleischfresser hinter Mauern und Gräben in ihren eigenen Arealen. Die Hyänen, wild gefleckte Riesenhunde, die unruhig am Fenster vor ihrem Revier auf- und abtrotten. Die Löwen, die träge in der Sonne schlummern. Auch die Nilpferde sind abgeschottet, dürfen sich aber im Fischteich treiben lassen. Gleich neben der Savanne beginnt der Dschungel. Perfekter, dichter Kongodschungel mit steilen Felswänden und ohne marodierende Rebellen. Hier leben nur Gorillas.

Die Pfleger und Wärter wissen, dass die Tiere die Hauptdarsteller des Spektakels sind. Sicher, da gibt es noch ein Theater in einem marokkanischen Palast, in dem eine Eisrevue gezeigt wird, eine bayerische Bierhalle mit Tanzvorführungen. An den Toren, durch die die Mitarbeiter das Gelände betreten, steht auch in großen Lettern Smile! You’re on stage! Doch in den Baracken hinter den Landschaften dreht sich alles nur um die Primadonnen und Stars des Parks. Ein riesiger Küchenkomplex sorgt dafür, dass die Tiere nicht nur zu Fressen bekommen, sondern eine ausgewogene Diät zu sich nehmen. Chefkoch ist Louis Barroso, ein rundlicher Italoamerikaner, der seine Kunst vorführt, als würde er für Hollywood kochen. Obstsalate für die Affen. Nusscocktails für die Nager. Im Kühlraum lagern meterlange Exemplare seiner eigenen Erfindung – die Krokodilswurst, eine Mixtur aus kräftigen Fleischsorten und Vitaminpräparaten.






Eis für die Elefanten - das wirkt menschlich (Foto: buschgardens.com)






Ab und an denkt er sich ganz besondere Delikatessen aus, die auf jede Tierart abgestimmt werden. Die Eiskrem für Elefanten zum Beispiel. Zentnerschwere Eisblöcke, in die er Früchte einfriert. Mit einem Bagger werden die im Elefantenareal an armdicken Ketten aufgehängt. Stundenlang stehen die Dickhäuter dann im Kreis um den Block und lutschen mit ihren Rüsseln so lange, bis die Pracht zerbricht und auf den Boden kullert. Das kommt an, das macht Tiere menschlich.

Letzter Akt. Das große Finale. Ohne Tiere. Denn der Höhepunkt jedes amerikanischen Theme Parks sind immer noch die Achterbahnen. Gleich vier gibt es in den Busch Gardens. Besonders stolz sind sie auf Gwazi, die Doppelachterbahn aus Holz, ein monumentales Gerüst aus tausenden von Pfählen, über das die Züge mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern rasen. Und da ist es wieder, dieses Kribbeln in der Magengegend, das schon seit der Kindheit verschwunden war. Die Mischung aus Angst und Vorfreude, wenn die Wagen aufs erste Plateau gezogen werden. Der Adrenalinstoß, wenn sich der Abgrund auftut und die Fahrt fast senkrecht in die Tiefe geht. Das Gefühl von Schwerelosigkeit, gefolgt von dreieinhalbfacher Schwerkraft in der Steilkurve, die den Körper in den Sitz presst. Als besonderes Schreckmoment haben die Ingenieure eine Begegnung der zwei Züge eingebaut, bei der sie scheinbar unaufhaltsam aufeinander zu rasen, um dann nur wenige Zentimeter voneinander entfernt aneinander vorbeizufegen. What a damn thrill!, schreit einer in der Zielgeraden.

Über die Jahre sind die Busch Gardens enorm gewachsen. Das Publikum verlangt nach mehr. Immer größer werden die Ansprüche, an die Simulationskünste und Thrillrides. Was vor ein paar Jahren als aufregend galt, gehört jetzt schon zur Routine. Deswegen vergeht kaum ein Jahr, in dem der Park nicht eine neue Attraktion eröffnet.Dieses Jahr soll die „Rhino Rallye“ die Massen her holen, ein Abenteuerparcours, der die Besucher innerhalb von acht Minuten durch die Aufregungen eines Querfeldeinrennens durch den Busch schleusen wird.






Kopfüber in den Wahnsinn: Die Safari endet mit dem ultimativen Kick (Foto: buschgardens.com)






Ein Team von Ingenieuren und Architekten stapft in Gummistiefeln und Plastikhelmen über das Baugelände. Sie reichen sich Pläne, fuchteln mit Handcomputern herum, dirigieren die Bautrupps und Maschinen über Walkie-Talkies. Im Mai werden die Baugruben, Betonblocks und Stahlstreben ihre endgültige Form angenommen haben. Sie werden sich nahtlos in die Serengetilandschaft einfügen. Die Betonblocks werden wie Felsblöcke verkleidet sein, die tiefen Gräben werden sich in Flüsse verwandelt haben. Der Chefingenieur lacht. „Ein Traumjob ist das hier“, sagt er. „Als ob man sein Leben lang Sandburgen bauen dürfte.“ Voller Begeisterung deutet er mit der Antenne seines Walkie-Talkies auf die Blöcke und Gruben. „Hier werden die Gäste herein gefahren. Auf speziell für uns angefertigten Landrovern. Dort werden sie einer Elefantenherde begegnen. Der Graben dazwischen wird bis dahin überwachsen und nicht mehr sichtbar sein. Auf dem Weg dort hinten werden sie durch Schlammlöcher rutschen. Sie werden weißen Nashörnern und Alligatoren begegnen. Und wenn sie glauben, die Fahrt sei vorbei, werden sie dort hinten umgeleitet.“

Er deutet auf eine Betoninsel hinter einer tiefen Rinne. „Tropischer Regen wird sich plötzlich über sie ergießen und ihnen die Sicht nehmen. Dann fahren sie auf eine Pontonbrücke, die urplötzlich von den reißenden Fluten des Flusses losgerissen wird. Hilflos werden sie davontreiben. Erst wenn sich der Ponton an der eingestürzten Brücke verhakt, können sie zum rettenden Ausgang fahren.“ Er grinst. Wie lange der Parcours dauern wird? „Acht Minuten. Und mit den überlangen Wagen können wir bis zu 1600 Besucher pro Stunde durch die Rallye schleusen.“

Als sich das Sonnenlicht rosarot verfärbt, bitten einen die Aufseher höflich zum Ausgang. Wie ungezogene Kinder versuchen die Besucher, doch noch einen Umweg zu nehmen, noch einmal an den Affen vorbei. Vielleicht sind die Löwen ja nun wach. Und plötzlich spürt man die Müdigkeit. Ganz Afrika in nur zehn Stunden. Nach der Reizüberflutung wirken die eintönigen Straßen von Tampa mit ihren Lagerhäusern, Industriekomplexen und Werbetafeln trotz des tropischen Sonnenuntergangs wie eine graue Wüste. Wie gesagt. Das mit der Realität ist ein Problem.



INFORMATIONEN

Anreise: Sonntags mit LTU von Düsseldorf nach Orlando, ab 959 Mark. Informationen unter Tel: 0180/520 65. Condor fliegt donnerstags von Frankfurt nach Tampa, ab 1018 Mark. Informationen unter Tel: 018 02/33 71 35.

Auskünfte über Busch Gardens von Deutschland aus: Tel. 067 32/22 10. Eintrittspreise : 47,95 Dollar für Erwachsene, Kinder zahlen 38,95 Dollar. Die Tickets sind bereits in Deutschland im Reisebüro (Dertour und Tui) erhältlich. Weitere Informationen unter www. buschgardens.com.


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