Spiegel Artikel

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Spiegel Artikel

Moin
Habe heute zwei Artikel im Spiegel gefunden, wobei bei dem einen der Redaktion ein klitzekleiner Fehler unterlaufen sein dürfte:
In der Wochenchronik ist unter Donnerstag 12.4. folgendes vermerkt:
Unterhaltung: In paris eröffnet Euro Disney einen zweiten Freizeitpark mit dem Schwerpunkt "Film".

Um ehrlich zu sein, schreibe ich gerade aus Paris und sitze im Internetcafe vom neuen Park und muss sagen: Der ist echt gigantisch...Kommt doch auch vorbei, es lohnt sich ;-)
Tja, nicht einmal Deutschlands gescheiteste Zeitschrift ist vor Jahresvertauschungen sicher. Der andere Artikel behandelt das Holy Land in Orlando
Grüsse
Jakob


First public train rider on Colossos

www.holidaysearch.de


U S A

Jesus, Maria, Mickymaus

Floridas neuester Erlebnispark verbindet biblische Kulissen mit messianischem Bekehrungseifer. US-Rabbiner belegen das "Heilige Land" deshalb mit einem Bannfluch.



© DER SPIEGEL

Der Weg ins Gelobte Land beginnt an der Autobahnabfahrt 31: Aus dem Abgasdunst von Floridas Interstate Highway 4 erheben sich etwas abseits der Autobahn die sandfarbenen Mauern der Jerusalemer Altstadt.
Das Stadttor, einem vermeintlichen Vorbild nachempfunden, öffnet sich auf die "Via Dolorosa", an deren Ende, unter Feigenbäumchen und Dattelpalmen, gläubige Touristen das Jesusgrab finden. Überragt wird das fromme Bilderbuch-Panorama von einem wuchtigen, weiß-goldenen Palast, sechs Stockwerke hoch - dem Herodes-Tempel von Jerusalem nachgebaut.

"Holy Land Experience" heißt Orlandos jüngster Erlebnispark. Die Touristenattraktion, unweit von Disney World und den Universal Studios, verspricht Pilgern und Besuchern eine "multi-sensorische Erfahrung", ein "totales Eintauchen" in die Welt der Bibel und obendrein "historische Belege für die Heilige Schrift".

Neben Disney World, einem Freizeitgiganten mit jährlich 15,4 Millionen Besuchern, wirkt der sechs Hektar große Bibelpark wie einst David neben Goliath. Doch Marvin Rosenthal, Leiter des frommen Freizeitvergnügens, verheißt seinen Besuchern dennoch "eine weltweit einzigartige Reise". Sie soll "Antwort geben auf die größten Fragen des Lebens".

Für den Chef der Glaubensgemeinschaft "Zions Hoffnung" steht nicht schnöder Mammon im Vordergrund. "Holy Land" ist ein gemeinnütziges und damit steuerfreies Unternehmen; es zahlt seinen 120 Angestellten unterdurchschnittliche Löhne, beruft sich aber auf höhere Kräfte: "Wir sind völlig abhängig von Gott, von Seiner Vorsehung und Seinen Weisungen."

Solch hehre Ziele stoßen nicht bei allen gottesfürchtigen Amerikanern gleichermaßen auf Wohlgefallen. Manche Christen beklagen die angeblich blasphemische Trivialisierung der Heiligen Schrift. US-Rabbiner rügen die Vermischung jüdischer Symbole mit protestantisch-evangelikalen Missionszielen und belegen den religiösen Rummelplatz mit ihrem Bannfluch.

Statt Mickymaus-Figuren werden hier Jesus-Statuetten und Marien-Bildchen feilgeboten, der Souvenirladen Methuselah's Mosaics bietet Räucherstäbchen "nach Gottes Rezept" an, dazu Gebetsumhänge und Krippenfiguren, silberne Davidsterne und siebenarmige Leuchter. Das Oasis Palms Cafe serviert "Milch-und-Honig-Eiscreme" oder den "Goliath-Burger".

Zur inszenierten Frömmelei gehören auch die in Sackleinen gekleideten Schauspieler, die mit einem beinahe akzentfreien "Schalom, Schalom" die Besucher begrüßen. Der "Hohe Priester", der im 20-Minuten-Takt Touristen durch die Wüste Sinai führt, ist mit Detailfragen zur jüdischen Liturgie erheblich überfordert.

Merrill Shapiro von der Beth-Am-Gemeinde in Orlando ist über die Showbusiness-Konkurrenz empört. "Richtige Religion, die heilige Dimension des Lebens, findet sich nicht in einem Vergnügungspark", schimpft der Rabbi. "Herr Rosenthal behauptet, man könne zugleich Jude und Christ sein, doch das ist Unsinn, der beide Traditionen herabwürdigt."

In Wahrheit, argwöhnen US-Rabbiner, stecke hinter dem schrillen Potpourri aus Devotionalien und Bekenntnissen der perfide Plan, Juden zum Christentum zu bekehren. "Rosenthal ist ein Seelendieb", schimpft Irv Rubin von der Jüdischen Verteidigungsliga, "seine ganze Strategie zielt nur darauf, Juden zu rekrutieren."

"Weit gefehlt", beteuert Rosenthal, 65, der selbst als Sohn konservativer Juden aufwuchs, bevor er sich nach einer Karriere bei den Marineinfanteristen als Verkäufer und Tanzlehrer versuchte, konvertierte und sich schließlich zum Baptisten-Pastor weihen ließ. "Wir hoffen doch nur, dass unsere Besucher hier die Majestät Gottes erfahren."

Schon der Erwerb des Erlebnisparks, glaubt der Prediger, war "nicht weniger als ein Wunder". Rund 20 Jahre lang hatte Rosenthal Touristengruppen nach Israel geführt - und dabei stets überlegt, wo er mit der Nachbildung biblischer Landschaften in den USA Fuß fassen könnte. Im Touristen-Mekka Orlando fand er den richtigen Standort. Vor zehn Jahren erhielt er die Chance, dort ein günstig gelegenes Gelände zu kaufen - die Rechnung beglich ein millionenschwerer Freund.

Das nächste Wunder geschah vier Jahre später, als ihm die Stadtväter von Orlando 1,6 Hektar abkauften, um eine neue Autobahnabfahrt zu bauen: Sie zahlten 1,4 Millionen Dollar - mehr als den ursprünglichen Kaufpreis für das Grundstück.

Andere Gönner unterzeichneten jetzt großzügige Schecks für den Bau des 16 Millionen Dollar teuren Glaubensparks, der auch wirtschaftlich einen viel versprechenden Start hinlegte: Rund 2000 Touristen lassen sich täglich von der Mischung aus Kult, Kitsch und Kommerz anlocken.

Für 17 Dollar Eintritt gibt es zwar keine Zuckerwatte, Achterbahnen oder Autorennen - doch dafür biblische Geschichte zum Anfassen. "Besser als hier werden wir das Heilige Land nie erleben", glauben Ken und Deborah Wilson, die ihren 30. Hochzeitstag in Orlando feiern: "Der Besuch ist billiger als eine Reise nach Israel und bei weitem nicht so gefährlich."

Dafür nehmen die Besucher auch die billigen Kulissen in Kauf. Ergriffen lauscht das durchweg ältere, weiße Publikum im Tempel den hymnischen Musicals aus Chorälen und Hosianna-Rufen; Tränen rinnen, wenn - achtmal täglich - die Auferstehung Jesu über die Bühne geht. "Christen haben seit 2000 Jahren Zeugnis abgelegt", sagt Parkgründer Rosenthal, "wir nutzten nur die neueste Technologie, um eine alte Geschichte zu erzählen."

Bisweilen scheint das Medium über die biblische Botschaft zu triumphieren. Eine elektronisch gesteuerte Show über die Bundeslade der Israeliten ist, dank Theaterdonner und Laserlicht, mehr Multimediaspektakel als religiöse Unterweisung.

Auch das Kernstück der Heilsbotschaft im Freizeitpark, ein aufwendiger Film im Stil des Hollywood-Erfolgs "Gladiator" mit dem Titel "Saat der Verheißung", ist auf Überwältigung der Zuschauer angelegt: Binnen 17 Minuten hastet die historische Parforcetour von der Schöpfung der Welt bis zur Wiederkehr des Messias.

Während auf der Leinwand gläubig dreinblickende Amerikaner aller Hautfarben sich, in Wolken gehüllt, um einen lockenhaarigen Jesus scharen, quillt im Zuschauerraum künstlicher Nebel unter den Klappsesseln hervor.

"Gott, ist das bewegend", schluckt Stacey Hannah aus dem nahen Cocoa Beach. Und ihrer verschreckten siebenjährigen Enkelin Brooke flüstert sie schnell tröstend zu: "Jesus liebt dich."

STEFAN SIMONS



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