Droht das Aus der großen Berliner Kirmes ???

#1

Droht das Aus der großen Berliner Kirmes ???

Frühlingsfest


Winterdepression am Kurt-Schumacher-Damm

Die Schausteller verzweifeln am "zentralen Festplatz": Abgeschirmt, holprig und ohne ausreichende Parkplätze

Klaus Kurpjuweit

Der zentrale Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm bleibt im Abseits und droht, die Schausteller in den Ruin zu treiben, obwohl in das Gelände bereits über 10 Millionen Mark investiert worden sind. Beim derzeitigen Frühlingsfest entspricht die Stimmung der Besitzer von Buden-und Fahrgeschäften eher einer Winterdepression. Gegenüber dem ohnehin schlechten Vorjahr ist das bisherige Geschäft nach Angaben des neuen Vorsitzenden des Schaustellerverbandes, Peter Zocher, noch einmal um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen. "Der Senat und der Bezirk haben uns einen Festplatz übergeben, der diesen Namen nicht verdient", klagt Zocher. Ungewiss ist bereits, ob das nächste deutsch-französische Volksfest im Juni stattfinden wird.

Der Förderverein für deutsch-französische Beziehungen hat den Senat und den Bezirk jetzt aufgefordert, den Festplatz zu vollenden. Wenn es nicht umgehend bauliche Verbesserungen gebe, sei das nächste deutsch-französische Volksfest gefährdet, teilte der Vorsitzende des Fördervereins, der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Dzembritzki, mit.

Der Förderverein und die Schausteller fordern vor allem, den Erdwall am Kurt-Schumacher-Damm wenigstens auf einer Länge von 60 bis 80 Metern zu entfernen, damit der Rummel auch von der Straße aus zu erkennen ist. "Jetzt sieht man von uns gar nichts", sagt Zocher.

Ausgebaut werden müsse auch die Zufahrt zum Gelände, die jetzt vielleicht für die Tagung eines Taubenzüchtervereins reiche, nicht aber für die erhofften Besuchermassen eines Volksfestes. Immerhin können Autofahrer in diesem Jahr über diese schmale Zufahrt beim kleineren Frühlingsfest rund 1500 Parkplätze direkt auf dem Gelände erreichen. Beim größeren deutsch-französischen Volksfest reduziert sich die Zahl auf etwa 350, weil der andere Platz für das Festdorf benötigt wird.

Fehlende Parkplätze sind nach Zochers Ansicht der dritte entscheidende Mangel des zentralen Festplatzes. Auf der östlichen Seite der Autobahn habe zwar der Bund eine Freifläche angeboten, auf der in den vergangenen Jahren das deutsch-französische Volksfest stattgefunden hatte, doch die Pacht in Höhe von etwa 40 000 Mark pro Woche könnten sich die Schausteller nicht leisten. Ein Teil der dort einst vorhandenen Parkplätze ist als Ausgleich für das wild gewachsene Grün auf den abgerissenen Bunkeranlagen des heutigen Festgeländes zudem bepflanzt worden.

Attraktiv wäre der Parkplatz außerdem nur, wenn es für die Besucher eine Brücke über der Autobahn gebe. Jetzt müssen sie erst einen Umweg von fast 800 Meter bis zum Festplatz zurücklegen. "Wer das einmal mit Kindern machen musste, kommt wahrscheinlich nicht wieder", befürchtet Zocher. An den Bau einer solchen Brücke ist derzeit aber nicht zu denken. Bereits der urspünglich fest geplante Steg vom Saatwinkler Damm über den Hohenzollernkanal ist gestrichen worden.

Erforderlich sei es zudem, auf dem Festplatzgelände die Wege zu befestigen. Die Besucher stolpern dort derzeit über Kies- und Schottersteine. Weil durch die immer noch darunter liegenden Bunkeranlagen das Regenwasser nur schlecht ablaufen kann, gleichen die Pfade nach einem Guss vom Himmel meist stundenlang eher einem Sumpf. Nach einer langen Trockenheit wird es dagegen staubig.

Lob gibt's von Zocher immerhin für die BVG. Sie setze in der Hauptzeit auch Verstärkerbusse ein, obwohl es dafür kein Extra-Geld gibt. Pläne, ein Kombiticket für die Busfahrt und den Eintritt zum Festgelände anzubieten, haben sich zerschlagen. Bei einem Eintrittspreis von 3 Mark, von dem 2 Mark gleich wieder als Bon abgehen, sei dies für die Schausteller nicht zu finanzieren, sagte Zocher.

An die Politiker appellierte der Schausteller-Chef, ihre Zusagen einzuhalten. Versprochen habe man für das Herrichten des zentralen Festplatzes 29 Millionen Mark - vorwiegend aus Europa- und Bundesmitteln. Weitere 3,9 Millionen Mark seien immerhin avisiert.







Jens Uwe Kupka
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Diskussionsübersicht

  1. #1 Droht das Aus der großen Berliner Kirmes ??? JUK
    1. #2 RE: Droht das Aus der großen Berliner Kirmes ??? tricktrack
      1. #3 Weiterer Artikel JUK
        1. #4 RE: Weiterer Artikel SKYBRAIN
          1. #5 RE: Weiterer Artikel tomcraft004
            1. #6 RE: Weiterer Artikel slidemaster
#2

RE: Droht das Aus der großen Berliner Kirmes ???

Antwort auf JUK, Beitrag #1

Dem kann man nur zustimmen. Der Platz war letztes Jahr wirklich eine Katastrophe. Wenn dann 2001 auch noch eine unattraktivere Auswahl an Fahrgeschäften vorhanden ist, dann möchte man gar nicht über einen Besuch nachdenken.
Ich habe ja schon auf den letzten Beitrag über Berlin reagiert.
Offensichtlich scheint die ganze "Hauptstadt Hysterie" nicht auzureichen, um einen anständigen Platz zustande zu bringen. Eigentlich könnte sich der Spreepark über die sterbende Konkurrenz freuen, aber auch dort klappt bekanntlich nix.
Leider ist auch der Platz in Köln einer Großstadt nicht würdig.
Vielleicht bin ich ja nicht der einzige, der auch aus diesen Gründen nicht mehr so große Lust auf Rummel hat.

"Wenn ich meinen Sarg aufmache, dann stimmt die Kasse!" (Django)
#3

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Antwort auf tricktrack, Beitrag #2

Frischer Artikel der den Untergang der Kirmes untermauert, wenn nicht bald was gemacht wird...

Berliner Zeitung 11. 04. 2001

Kein Grund zum Feiern
Frühlingsfest am Kurt-Schumacher-Damm: Den Schaustellern fehlen die Kunden
Nils-Viktor Sorge

Peter Bergmann wartet auf Kundschaft. In seiner Schiffsschaukel "Miami" sitzen erst zwei Mädchen. Weil sich nichts tut, machen die Teenager Anstalten, wieder auszusteigen. Das ist das Signal: Bergmann drückt den Start-Knopf. "Diese Tour ist ein Verlustgeschäft. Zwei verkaufte Fahrkarten machen die Stromkosten nicht wett", sagt Bergmann. Ihm geht es wie allen Schaustellern und Budenbesitzern auf dem Zentralen Festplatz in Wedding: Sie leiden unter Besuchermangel. Die Losverkäuferin hat in fünf Stunden zwei Lose abgesetzt, der Mann am Hot-Dog-Stand rührt in einer Fünf-Minuten-Terrine. "Das hier ist der einzige Friedhof in Berlin, der Lauflicht hat", sagt ein Wurstverkäufer sarkastisch.
Kritik am Lärmschutz-Wall

Alle Bemühungen, die Attraktivität des Berliner Frühlingsfestes zu steigern, scheinen nicht zu fruchten: Am Kurt-Schumacher-Damm stehen die Schausteller in Grüppchen zusammen und klagen sich ihr Leid. "Normalerweise brauche ich zwei Aushilfen, jetzt stehe ich hier allein und habe nichts zu tun", sagt Sybill Strumpski, Schießstandbesitzerin in der vierten Generation. Von bis zu 70 Prozent Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr redet Schaustellerverbands-Sprecher Christian Wagner. Dabei war schon 2000 das Fest enttäuschend verlaufen. Einige der größeren Attraktionen kamen in diesem Jahr schon gar nicht mehr an die Spree.

Jetzt versuchen die 109 Schausteller mit verzweifelten Werbeaktionen Leben auf den Festplatz zu bringen. Vergebens. Montags bleiben die mit Gruppenrabatt gelockten Bürogemeinschaften aus, am Dienstag beteiligen sich nur wenige Besucher am Handy-Gewinnspiel. Lediglich mittwochs, am Familientag, ist die Resonanz besser - dann kostet die Fahrt in Karussells und Bahnen nur den halben Preis. Die Schausteller sind ratlos. Sie bemühen das Wetter, die Verkehrsanbindung, vor allem aber die versteckte Lage des Zentralen Festplatzes als Erklärung für das Debakel. Der gut fünf Meter hohe Erdwall, der den Platz vom Kurt-Schumacher-Damm trennt, ist das größte Ärgernis. "Der muss weg, damit man uns von der Straße aus sieht", sagt Sprecher Wagner.

"Der Wall bleibt", hält Petra Reetz entgegen. Die Sprecherin der Bauverwaltung sieht in dem Erbe französischer Militärs eine Lärmschutzmaßnahme, die dem Festplatz nutze. Reetz kündigt aber andere Verbesserungen an, darunter ein neues Leitsystem für Autofahrer. Bislang suchen diese vergebens nach Hinweisschildern. Radfahrern, die vom Kurt-Schumacher-Platz kommen, kann es passieren, dass sie mangels Hinweis an der letzten Autobahnquerung vorbeifahren und ihren Irrtum erst irgendwo am Hohenzollernkanal bemerken - einen Kilometer weiter.

Auf dem Festplatz nimmt mancher Besucher die Leere mit Galgenhumor. "Das ist ein völlig neues Fahrgefühl", sagt Bernd Seemann, der mit Sohn Maxi (sechs Jahre) im Autoscooter über das leere Parkett düst. Vier junge Frauen aus Wissen (Rheinland-Pfalz) sind ebenfalls zufrieden. "Wir sind das zweite Mal hier, es gibt ein riesiges Angebot", sagt Nicole Schneider (18).

Für das Osterwochenende haben sich die Schausteller die nächste Attraktion einfallen lassen. Nun soll der "1. Asiatische Frühling" Besucher zum Festplatz locken: 13 Nationen präsentieren ihren Kontinent mit Kunst, Musik und Tanz.



Jens Uwe Kupka
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#4

RE: Weiterer Artikel

Antwort auf JUK, Beitrag #3

Die sollen das so machen wie in Düsseldorf. Der Platz ist im Zentrum, was ja normalerweise das grösste Chaos wäre, aber durch ein effizientes Parksystem auf dem Messegelände mit Bustransfer perfekt funktioniert. Die verlangen glaube ich 12DM pro Auto für parken und Bustransfer . wenn ich mich recht erinnere.

Gruss

SKY
#5

RE: Weiterer Artikel

Antwort auf SKYBRAIN, Beitrag #4

Das beschriebene Fest findet doch auf dem selben Platz wie das deutsch-französische Volksfest statt, oder?
Ansonsten löscht diesen Beitrag bitte ;)
Ich war als Nichtberliner im letzten Jahr zum ersten Mal auf dem deutsch-französischen Volksfest und werde sicher nicht wieder hingehen, obwohl ich sonst echt ein Kirmesfreak bin.
Ich glaube nicht, dass der Parkplatz ein Problem ist, denn wer den Parkplatz findet (der besser sichtbar ist als die Kirmes selbst!), der will eh gezielt auf den Platz. Dazu muss er aber erstmal ca. 800 Meter Umweg zurücklegen, um sicher über die Straße zu kommen!
Das nächste "Ärgernis" ist der Eintrittspreis. Kann mir jemand eine Auskunft geben, warum der existiert? Der hält sicher auch Leute davon ab, den Platz öfter zu besuchen, oder? 3 Mark kann man zwar verschmerzen, aber wenn ich über den Platz bummele ohne Geld ausgeben zu wollen, ist der Preis schon ein Hindernis, den Platz überhaupt für evtl. "Impulsausgaben" zu betreten.
Die Bebauung finde ich einfach nur schlimm- wenn man einmal auf dem Weg ist, muss man der Streckenführung folgen bis zum Ende- es gibt keine Möglichkeit für Alternativstrecken; man kann sich echt eingesperrt fühlen. Der Platz hat sehr viele rechte Winkel, was bei einer anderen Bebauung sicher besser gelöst werden könnte.
Ich glaube einfach, dass diese Märkte kein Standort- oder Parkproblem haben, sondern schlichtweg ein Image- und damit ein Marketingproblem. Wenn keiner weiss, dass in seiner Stadt ein Volksfest stattfindet, ist es doch echt seltsam. Ich hab nur am Eingang des Festplatzes einen Hinweis auf ein stattfindendes Fest gesehen! Da ist es mit der Beseitigung eines Erdwalls auch nicht getan.
#6

RE: Weiterer Artikel

Antwort auf tomcraft004, Beitrag #5

Ist doch klar, dass Jahrmärkte immer schlechter frequentiert sind, betrachtet man doch mal die horrenden Fahrpreise! Für eine Achterbahnfahrt muss man da 5-10 Mark hinblättern, da kommt man im Vergnügungspark doch viel billiger weg, auch wenn man bis zu 43 DM Eintritt zahlen muss!
Und so denken viele (auch ich) und gehen deshalb nicht auf Jahrmärkte, da vor allem kleinere Parks, die oft transportable Kirmesattraktionen aufstellen (Serengetipark-Wasserland, Spreepark...) und man so auch viel billiger in den Genuss von Topspin, FlicFlac & Co. kommt

Keep on slidin'
http://www.spassbadfuehrer.de
#7

RE: Weiterer Artikel

Antwort auf slidemaster, Beitrag #6

LETZTE BEARBEITUNG AM 24-Apr-2001 UM 10:34 Uhr ()

Hi!

Nach meinen Erfahrungen sind jedoch im Allgemeinen die Fahrpreise der Schausteller in den letzten 3 Jahren nicht gestiegen, obwohl die Nebenkosten (Platzmiete, Benzinkosten etc.) immer mehr in die Höhe gehen! Persönlich besuche ich neben den Freizeitparks immer noch gerne eine Kirmes, trotz (oder gerade wegen) des etwas anderen Flairs.

Gruß
Twisi

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