Parkchef Hans-Jürgen Tiemann (51) erfüllte sich mit Colossos einen Jugendtraum. Der Zauber alter Holzachterbahnen seiner Kinderzeit hatte ihn nie losgelassen.
Im Herbst 1999 beauftragte er den Münchner Ingenieur Werner Stengel (64) mit dem Entwurf. Auf das Konto des Achterbahnpapstes gehen 440 Anlagen - die Hälfte der weltweit betriebenen.
Nostalgie sei der Grund für den neuzeitlichen Boom der Holzvariante, erklärte Stengel. Und natürlich der spezielle Kitzel: "Eine Holzachterbahn ist rau und ruppig", so Stengel. "Viele sind von dem Gerumpel und Geratter fasziniert."
Doch auf den Kick, dass die Wagen links und rechts gegen die Bande schlagen, müssten die Fans verzichten. Moderne Fertigungstechniken hielten die holztypischen Unebenheiten in Grenzen.
Technisch sei die Anlage eine Revolution - die modernste Achterbahn der Welt. Und mit 60 Metern auch die höchste aus Holz.
3000 Kubikmeter Kiefer wurden verbaut. Die Anlage ist 350 mal 200 Meter groß. Schienenlänge: 1500 Meter. Fahrzeit etwa drei Minuten. Wenn alles nach Plan läuft, wird Karfreitag, am 13. April, der Startschuss fallen.
Hier ein Artikel aus der Böhme-Zeitung (Region Soltau)
"Monumentalbau in Rekordzeit
Richtfest für „Colossos“ im Heide-Park Soltau
jw Soltau.
Mit fast tausend Gästen hat der Heide-Park Soltau gestern nachmittag das Richtfest für die größte Holzachterbahn der Welt gefeiert.
Die beauftragten Handwerker haben dieses an der höchsten Stelle fast 60 Meter hohe und 1500 Meter lange Fahrgeschäft der Superlative für 45 Millionen Mark in Rekordbauzeit von knapp neun Monaten errichtet. Wenn als klappt, soll die Bahn am Karfreitag, 13. April, in Betrieb gehen.
Entworfen wurde „Colossos“ vom weltweit anerkannten „Guru“ für Achterbahnen, dem Münchener Werner Stengel. „Diese Anlage stellt eine Revolution dar“, sagte Reinhold Sondermann von der mit der Gesamtplanung beauftragten Firma Intamin im Hinblick auf die vollig neu entwickelte Schienen aus Leimbindern. Heidepark-Bauleiter Helmut Noting betonte, die nostalgisch aussehende Bahn berge modernste Technik und entspreche höchsten Sicherheitsansprüchen.
„Colossos“ im Soltauer Heide-Park: größte und modernste Holzachterbahn der Welt jw Soltau. Noch eine Woche, dann startet der Heide-Park Soltau in seine neue Saison. Am Sonnabend, 31. März, ist es soweit.
Bis sie in die neueste Attraktion, die größte Holzachterbahn der Welt mit dem passen- den Namen „Colossos“, einsteigen dürfen, müssen die Fans aber noch etwas warten. Erst am Osterwochenende ist sie startklar.
Der rund 45 Millionen Mark teure „Colossos“ beruht auf einem Jugendtraum von Heide-Park-Inhaber Hans-Jürgen Thiemann. Entstanden ist ein Bauwerk der Superlative. 3000 Kubikmeter heimisches Kiefernholz für das Tragwerk sowie 2800 Kubikmeter Beton für das Fundament wurden verbaut.
Beeindruckend sind die Eckdaten der neuen Bahn, deren Layout von dem weltweit anerkannten Achterbahn-„Guru“ Werner Stengel aus München stammt. Sie erreicht eine Höhe von etwa 60 Metern. Die Strekkenlänge beträgt 1500 Meter, die maximale Geschwindigkeit 120 Stundenkilometer. 145 Sekunden dauert eine Tour einschließlich der Liftfahrt. Das maximale Gefälle bei einer Schußfahrt beträgt 61 Grad, die Querneigung bis zu 67 Grad. Zwei Züge mit je fünf Wagen können zusammen 60 Personen transportieren. Bis zu 1500 Fahrgäste kann „Collossos“ pro Stunde bewältigen.
Der bloße Anblick der Holzachterbahn ist respekteinflößend. Um dort einzusteigen braucht es schon eine gehörige Portion Mut. Planer Werner Stengel wollte den Fahrgästen aber in erster Linie Fahrspaß vermitteln. Seinen Berechnungen zufolge wirken senkrechte Beschleunigungskäfte bis zum 4,3fachen des eigenen Körpergewichts auf die Insassen, aber nur geringe unan- genehme Querbeschleunigungen. Auf dem Höhepunkt einiger Buckel erreichen die Züge negative Gravitation, die Fahrgäste werden kurz schwerelos.
Die in Rekordzeit von knapp neun Monaten errichtete Holzachterbahn präsentiert sich zwar nostalgisch, birgt aber modernste Technik. Sie genüge höchsten Sicherheitsanforderungen, betonte Heide-Park-Bauleiter Helmut Nothing. Ob das tatsächlich so ist, wird die Abnahme der Bahn durch den Spezial-TÜV für solche Fälle in München ergeben, der auch schon andere Fahrgeschäfte im Heide-Park geprüft hat.
Planer, Handwerker und Zulieferer hätten bei Wind und Wetter gearbeitet, um die Bahn termingerecht fertigzustellen, sagte Nothing. Angesichts der Arbeitshöhen von bis 60 Meter hätten die Handwerker sich wie Bergsteiger anseilen müssen. Der Bauleiter hofft, daß der Heide-Park die Bahn nach den zuvor erforderlichen Test- und Einstellungsfahrten am Karfeitag in Betrieb nehmen kann.
Das Konzept und die Gesamtplanung der Bahn stammt von der Firma Intamin, die eine völlig neu entwickelte Schiene aus Leimholzbindern verwendete, um einerseits auf eine Stahlschiene verzichten zu können, andererseits aber deutlich mehr Fahrkomfort als bei einer reinen Holzschiene zu gewährleisten. Für Intamin-Chef Reinhold Sondermann ist diese Leimbinderschiene „einMeilenstein im Bau der Holzachterbahnen“
Am Bau des „Colossos“ und bei der Zuflieferung waren etliche heimische Unternehmen beteiligt. Der Generalunternehmer für die Holzkonstruktion, Heinrich Cordes aus Waffensen bei Rotenburg, bezeichnete diesen Auftrag als Riesenherausforderung. „Aber wir haben uns getraut.“ In 50000 Stunden für den Holzbau habe es nicht einen Unfall gegeben.