Holy Land Experience Artikel

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Holy Land Experience Artikel

Ein frischer Artikel aus der SZ

Jesus kam nur bis zum Supermarkt
Das Heilige Land auf sechs Hektar: Floridas neuer Freizeitpark „Holy Land Experience“ liegt neben Weltraumbahnhof und Tankstellen / Von Wolfgang Koydl


Orlando – Auf der einen Seite eine Traumfabrik, auf der anderen ein Königreich der Magie – die Nachbarn scheinen nicht von dieser Welt zu sein. Doch auch Floridas jüngster Freizeitpark zielt auf Höheres, geradewegs ins Transzendentale: „Holy Land Experience“, auf halbem Weg gelegen zwischen den Universal-Filmstudios und Disneyworld, will nichts Geringeres als Jesus und seine Zeit herüberzubringen aus dem Heiligen Land ins ganz und gar nicht heilige Orlando.

Doch anstatt Frieden und Wohlgefallen hat sich Parkgründer Marvin Rosenthal zunächst einmal nur Ärger eingehandelt. Jüdische Organisationen, an vorderster Front die militante „Jewish Defense League“, verdächtigen den Baptistenpfarrer Rosenthal, Juden zum Christentum bekehren zu wollen. „Diese Kritiker scheinen zu glauben“, schrieb kürzlich der Kolumnist Michael Kinsley, „dass die Juden von den alttestamentarischen Aspekten angelockt und anschließend von den neutestamentlichen Teilen verführt werden.“

Ganz abwegig ist der Verdacht vielleicht nicht, ist doch Rosenthal selbst das lebende Beispiel für eine erfolgreiche Bekehrung. Beim Bibelstudium im Teenageralter beschlichen den Sohn konservativer jüdischer Eltern aus Philadelphia Zweifel an seiner Religion. „Wenn Moses und die Propheten des Alten Testaments sagten, wann und wo der Messias erscheinen würde, dann musste ich Christus als meinen Retter akzeptieren“, erklärte er seinen Übertritt zum Christentum. Auf dem Weg zum Baptistenprediger freilich machte der 65-Jährige einige Umwege – unter anderem als Rekrut bei der Elitetruppe der US Marines und als Tanzlehrer. So bunt wie sein Leben präsentiert sich auch sein sechs Hektar großes Jesus-Land, in das er 16 Millionen Dollar investiert hat. Für 17 Dollar Eintritt können Besucher in einer Legoland-Version des biblischen Jerusalem herumwandern – mit einer Hauptstraße, einem Markt und Geschäften. „Jerusalem Gold“, die Jahreskarte, gibt’s schon für 59 Dollar. Gleich nebenan wurden die Höhlen von Qumran am Toten Meer nachgebildet, wo Archäologen die Schriftrollen mit den ältesten Bibeltexten fanden.

Anders als beim Nachbarn Disney schlüpfen die 125 Angestellten nicht in Mickey-Kostüme, sondern markieren römische Soldaten, israelitische Hohepriester oder palästinensische Ziegenhirten. Für Freunde des Details: Noch nicht einmal der Ballenabdruck eines Kamels wurde vergessen – eingegossen in den Beton der Marktstraße. Wen der Hunger plagt, der kann im Oasis Palm Cafe einkehren. Dort gibt es keine biblischen Genüsse sondern Hamburger – extragroß und deshalb Goliath-Burger geheißen.

Den Missionierungsvorwurf will Rosenthal, der sich selbst als „hebräischen Christen“ bezeichnet, nicht auf sich sitzen lassen. „Wenn Sie mich fragen: Würde es uns gefallen, wenn Juden kämen und sich für Jesus interessierten, dann können Sie drauf wetten: Wir wären begeistert“, meinte Rosenthal. „Aber zu unterstellen, dass wir es auf Juden abgesehen haben und jüdische Seelen stehlen wollen, das ist ein Trugschluss.“ Menschen, so Rosenthal, könnten niemanden bekehren. „Gott tut das.“ Selbst Kritiker geben zu, dass bislang die meisten Besucher der „Holy Land Experience“ Christen waren.

„Wir wollen die Besucher auf eine Reise von 7000 Meilen und 3000 Jahren nehmen“, verspricht die Broschüre des Parks. Ungewöhnlich bescheiden sieht es Rosenthal eine Nummer kleiner: „Wir haben nichts anderes gemacht, als das echte Heilige Land zu schrumpfen. Dort muss man von der Klagemauer 50 Kilometer weit zu den Qumran-Höhlen laufen, bei uns sind das nicht mal zehn Meter.“ Freilich lässt die Kopie zu wünschen übrig. Wer von seinem Goliath-Burger aufschaut, der sieht das rot-grüne Schild eines 7-Eleven-Supermarktes, und auch Tankstellen hat es zu Jesu Zeiten nicht gegeben. Und was die Musik betrifft, die mit Eselsschreien und Kamelblöken aus versteckten Lautsprechern tönt, so sind Zweifel angebracht, ob sich Pontius Pilatus schon für orientalische Bauchtanzmusik begeisterte.

Doch dafür bietet „Holy Land Experience“ etwas anderes: die perfekte Mischung aus Bibel und Neuzeit. Über dem echten Tempel des Herodes stand seinerzeit vermutlich der Stern von Bethlehem. Über Rosenthals floridianischer Kopie jedoch kann man eine andere kosmische Erscheinung betrachten: Die Raumfähre Columbia, wenn sie vom nahe gelegenen Weltraumbahnhof Cape Canaveral abhebt.



Jens Uwe Kupka
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RE: Holy Land Experience Artikel

Antwort auf JUK, Beitrag #1

in der Focus 10/01 stand auch ein ca. 6 seitiger Artikel mit vielen Bildern.
Achterbahnen sind nicht geplant, viele Angestellte arbeiten dort ehrenamtlich und Vorraussetzung für einen Job ist es Katholik zu sein...

get in the back seat,
Alex.

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