Der Teil letztendlich, den ich die ganze Zeit rausgezögert habe.
Die eine schreckliche Nacht in Toulouse.
Irgendwie ist alles schief gegangen. Das Zugticket dorthin hatte ich schon fest in Biarritz gekauft, um die Übernachtung habe ich mich erst einen Tag vorher von Lourdes aus gekümmert.
Überrascht musste ich feststellen, dass es in der Jugendherberge gebrannt hatte und sie deshalb vorerst geschlossen war.
Der Freund, den ich in Toulouse besuchen wollte, hatte mich übernachtungstechnisch spontan wieder ausgeladen (mir aber ein Hotel für ca. 100 Euro empfohlen), und ob er überhaupt Zeit hätte, war zu dem Zeitpunkt auch fraglich.
Dazu kam noch, dass an dem Abend, als ich in Toulouse ankam, das Halbfinale der Rugby-WM in der Stadt stattfand - dementsprechend ausgebucht waren alle Hotels. Und etwas richtig teures kam bei so einer langen Reise nicht in Frage.
Angekommen in Toulouse um kurz nach acht.

Vom Bahnhof bin ich zu meinem Hotel gelaufen. Ich hatte es nachmittags über die Touristeninfo noch empfohlen bekommen. Es war scheinbar echt das letzte Bett der Stadt.
30 Euro die Nacht.
Es war das Hotel Tivoli, nahe am Bahnhof auf einer großen hellen Straße Richtung Innenstadt. Es war allerdings von außen das einzig dunkle, unbeleuchtete Gebäude der Straße, weshalb ich es nicht sofort fand.
Den Angestellten, der sich hinter dem Empfangstischchen fletzte, kann man sich ungefähr vorstellen wie einen Pages des Tower of Terror. Er ging mit mir nach oben, um mir das Zimmer zu zeigen. Im Flur hat er mir gezeigt, wie man gegen den Lichtschalter treten muss, damit er funktioniert. Nur keine Scheu.

Das enge abgelaufene Treppenhaus immer höher und höher bis unters Dach und ich habe überlegt, wer wohl davon weiß, dass ich hier abgestiegen bin.
Im Zimmer dann noch der Hinweis, dass ich den Schlüssel an der Rezeption abgeben müsse, wenn ich das Hotel verließe. Und das Zimmer ... ich habe es kaum gewagt mich auf das dreckige Bett zu setzen

Der Ausblick aus dem Fenster ging auf einen dunklen, schmutzigen Innenhof. Im Bad funktionierte die Spülung der Toilette nicht und die Dusche wollte ich besser gar nicht betreten.

Direkt nach Betreten dieses Zimmers ergriffen mich unglaubliche Enge- und Panikattaken.
Was konnte man dagegen machen? Man konnte mal zu Hause anrufen. Also ließ ich mich gegen die Wand sinken und griff nach dem Telefonhörer und wählte die Null, um nach draußen zu telefonieren...

...An die Wand gekauert warte ich also auf das Freizeichen, doch stattdessen flüstert mir plötzlich aus dem Hörer der merkwürdige Rezeptionist ein langes "Hellooooouu" ins Ohr. Voller Schreck schreie ich auf und lasse ich den Hörer fallen. Später erfahre ich, dass man aus dem Hotel überhaupt nicht nach draußen telefonieren kann und immer nur die Rezeption erreicht.
Ich habe das Hotel dann so schnell wie möglich verlassen und bin durch die nächtliche Stadt gelaufen. Habe nochmal bei allen Hotels auf dem Weg überprüft, ob sie etwas für die nächste Nacht freihätten. Irgendwas? Ob sie von einem freien Bett woanders wüssten? Überall Fehlanzeige. Wenn ich jetzt so drüber nachdenke hätte ich sogar einen Stall dem Hotel Tivoli vorgezogen.
Der Place du Capitol im Zentrum der Stadt. Irgendwie und unter anderen Umständen wäre das vielleicht alles ganz schön und ansehnlich gewesen. Die ganzen Backsteinhäuser und Ziegeldächer.

Ich habe dann noch mit meinem Freund telefoniert, der sich nicht sicher war, ob er am nächsten Tag Zeit hätte, wegen Uni und einem Projekt an dem er arbeiten müsse, vielleicht am Tag darauf. ...
Dann bin ich noch eine Runde am Fluss, der Garonne entlang gegangen. Die Brücken werden in Toulouse nachts spektakulär beleuchtet.
Schon komisch, irgendwie hatte ich da andere Sorgen, aber das fotografieren kam mittlerweile ganz automatisch und war überhaupt nicht abzustellen.





Danach habe ich noch ein Internetcafe gesucht um evtl. über diese backpacker Seite ein privates Zimmer/Sofa zu finden, aber die Cafes hatten alle schon seit 22h geschlossen.
Also zurück ins Hotel, was blieb anderes übrig, und am nächsten Tag mal schauen...
Natürlich konnte ich nicht einschlafen dort.
Und natürlich, als ich gegen 2 oder 3 doch schlief, fingen im Zimmer nebenan zwei Frauen zu schreien an. Der Typ von der Rezeption kam hoch, ging wieder, rief schließlich die Polizei weil scheinbar etwas gestohlen wurde. Ich war dank dünnster Wände live dabei. Dann kam die Polizei, und nach anderthalb Stunden war wieder Ruhe.
Am folgenden Morgen checkte ich so schnell wie möglich aus und brachte mein Gepäck in ein Schließfach am Bahnhof. Dann machte ich mich wieder auf die Suche nach einem anderen Hotel. Ein weiteres Zimmer konnte ich mir auch anschauen, wieder über 35 Euro, was eigentlich preislich nicht drin war, und wieder verranzt und beklemmend, so dass ich es mir nur offen hielt.
Was ich bei der Lauferei durch die Stadt noch sah, war die Basilika St-Sernin.



Aber gegen Mittag kam der Punkt, an dem ich es in Toulouse nicht mehr aushielt.
Von dem Freund, den ich besuchen wollte, kam noch eine SMS, dass das heute nichts mehr würde, vielleicht am folgenden Abend.
Nie im Leben würde ich so lange in dieser verdammten Stadt bleiben, so viel war mir klar.
Ich ging also zum Bahnhof und kaufte mir ein Ticket nach Carcassonne, eine Stadt in der Nähe, die als nächstes auf meiner Liste stand, von der aus ich aber auch noch nach Toulouse zurückfahren konnte, sollte er mal Zeit haben.
In der Jugendherberge von Carcassonne gab es auch noch freie Betten.
Nichts wie raus aus Toulouse.
Ich bin auch nicht wieder zurückgefahren. Und ich glaube ich werde auch nie wieder einen Fuss in diese Stadt setzen.