Filmarbeiten in den Warner- Studios

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Filmarbeiten in den Warner- Studios

GEÄNDERT AM 16-August-00 UM 17:22 Uhr (GMT)


Italien in Bottrop

Das Zimmer mit seinen Regalen und verstaubten Akten hat etwas Beklemmendes. Ein Türschild weist es als "Sala Interrogatorio", als Verhörraum, aus. Im Raum nebenan, dem Ufficio Maggiore Pini, liegt ein Mann in seinem Blut. Schauplatz ist das Polizeipräsidium von Turin - und das liegt zurzeit in Bottrop-Kirchhellen.

In den Warner-Studios entstehen gerade die Innenaufnahmen für einen Film, mit dem Regisseur Tom Tykwer (Lola rennt) und seine Produktionsfirma X-Filme den Schritt ins internationale, ins englischsprachige Geschäft machen.

"Heaven" beruht auf dem letzten Drehbuch des 1996 gestorbenen polnischen Filmemachers Krzysztof Kieslowski und seines langjährigen Co-Autors Krzysztof Piesiewicz.

Eigentlich hat die junge Englischlehrerin Philippa (Cate Blanchett) einen Drogendealer umbrigen wollen, der den Tod ihres Mannes und vieler Schüler verschuldet hat; doch ihrem Bombenattentat sind statt dessen vier unschuldige Menschen zum Opfer gefallen. Die Turiner Polizei geht Philippas Versicherungen zum Trotz von politischen Motiven, von einem Terrorakt aus. Nur der junge Verhörbeamte Filippo (Giovanni Ribisi) schenkt der jungen Frau Glauben. Er verliebt sich in sie.

13 Millionen Dollar kostet die internationale, von der Filmstiftung NRW geförderte Koproduktion (auf US-Seite ist Miramax beteiligt), Drehorte sind Turin, Neapel, die Toscana und eben Bottrop-Kirchhellen. In Uli Hanischs Ausstattung entstehen in drei Wochen sämtliche Innenaufnahmen - rund die Hälfte des Films.

"Heaven" erzählt, vielschichtig verschlüsselt, von Erlösung durch Liebe. Eine Reise vom Dunkel ins Licht nennt Tykwer den Film, dessen Zustandekommen für einen jungen deutschen Regisseur nicht eben alltäglich ist. Denn der mächtige US-Partner Miramax bot ihm Anfang des Jahres das Drehbuch an - ohne Auflagen, ohne künstlerische Eingriffe.

Der australische Hollywood-Star Cate Blanchett ("Elizabeth", "Der talentierte Mr. Ripley") sagte sofort zu. Und der Kalifornier Giovanni Ribisi ("Der Soldat James Ryan"), zur Zeit Partner von Nicolas Cage in "Nur noch 60 Sekunden, war so heiß auf die Rolle des Filippo, dass er Tom Tykwer sogar nachreiste und eines schönen Tages in Dortmund-Dorstfeld auf der Matte stand.

Im nächsten Jahr soll "Heaven" zeitgleich in Europa und den USA starten.

Quelle WAZ 16.08.00 Kulturseite
Autor Wolfgang Platzeck

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Das Drehbuch hat nur auf mich gewartet"

"Und im Kino ist die Lüge dann perfekt." Seit Wochen wird in den Warner Studios der Film "Heaven" von Regisseur Tom Tykwer ("Lola rennt") gedreht.

Im Moment ist Hochbetrieb in den Studios; in zwei Hallen wurden die Räumlichkeiten für die in dem Film wichtigsten Innenaufnahmen aufgebaut. Die Bauphase dauerte gut drei Wochen und entstanden sind eine große Polizeiwache und ein Dachstuhl, der für "Heaven" entscheidende Bedeutung hat.

Denn immer wieder flüchten sich die Protagonisten in diese "alte, seit Jahren nicht mehr benutzte" Räumlichkeit. Eigentlich existiert der Dachstuhl erst seit einigen Wochen und in ungefähr drei Wochen wird er wieder dem Erdboden gleichgemacht. Ebenso wie die Wache mit den verstaubten Akten im Schrank. Das Einzige, was hier noch am Computer geändert werden muss, ist die Sicht aus dem Fenster. "Vordergrund und Aussicht ergeben dann zusammen die perfekte Lüge. Der Zuschauer denkt, die Figuren befänden sich in Italien bei den Carabinieri", so der Regisseur Tom Tykwer.

Der Film kann eine hochkarätige Besetzung vorweisen, Tom Tykwer konnte für sein Projekt Giovanni Ribisi ("Der Soldat James Ryan") und Cate Blanchett ("Der talentierte Mr. Ripley") gewinnen. In Kirchhellen wird noch bis zum 22. August gedreht. Der Kinostart ist für Ende 2001 vorgesehen. Das Trio ist ganz begeistert von der allerdings nicht einfach zu realisierenden Story der Vorlage.

"Das Drehbuch, das ja zum ersten Mal nicht von mir ist, hat mich sofort gepackt. Es hat einfach auf mich gewartet", schwärmt Tom Tykwer. Auch die beiden Hauptdarsteller waren von Anfang an gefesselt. Sie sagten sofort zu, als das Angebot kam. "Die beiden sind meine Traumbesetzung", so Tom Tykwer. Auf die Frage, ob er mitmache, antwortete Giovanni spontan: "Natürlich mache ich mit. Ich muss das machen."

Und was genau ist der Film? "Der Film ist eine Reise ins Licht. Nachdem erst eine unheimliche Härte herrscht, dringt langsam die Liebe in das Geschehen ein."


Quelle WAZ 16.08.00 Lokalteil Bottrop
Autorin :Nina Arndt





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