Probleme im Web lassen Disney-Gewinn stürzen

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Probleme im Web lassen Disney-Gewinn stürzen

Von Helene Laube, San Francisco

Nach dem Scheitern der Internetstrategie will der Konzern stark in Parks und im Ausland investieren.

Der Reingewinn des US-Medienkonzerns Walt Disney ist in dessen ersten Geschäftsquartal um über 77 Prozent gefallen - von 278 Mio. $ auf 63 Mio. $. Grund sind die dreistelligen Millionenverluste der Internetsparte des Konzerns, die seit vergangener Woche wieder stärker in den Mutterkonzern eingegliedert werden soll. Dazu kommt ein weiteres Minus durch neue Bilanzregeln. Sondereffekte ausgenommen übertraf der nach AOL Time Warner und Vivendi Universal weltweit drittgrößte Medienkonzern die Erwartungen der Analysten leicht. Das Quartal endete am 31.Dezember 2000.

Dank des Wachstums im Bereich Vergnügungsparks und der erfolgreichen TV-Show "Who Wants to Be a Millionaire" auf dem Disney-Sender ABC wuchs der Gewinn um 23 Prozent von 278 Mio. $ auf 341 Mio. $. Disney baut künftig stärker auf seine Vergnügungsparks, deren Umsatz im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 6,8 Mrd. $ wuchs und die mit einem Anteil von 27 Prozent am Konzernumsatz die zweitgrößte Sparte darstellen. Angesichts der Probleme in den Bereichen Media Networks (TV-Sender) und Consumer Products (Handel), will der Unterhaltungsgigant seine Einnahmen aus den Parks und Kreuzfahrtschiffen laufend ausbauen. Zum Disney-Imperium gehören Filmstudios, Verlage und Fernsehsender wie ABC oder ESPN. Mit Blick auf den Erfolg der traditionellen Vergnügungsgeschäfte sagte Disney-Chef Michael Eisner: "Einmal mehr verdanken wir den Gewinnzuwachs der Sparte Parks & Resorts."



Milliardenschweres Erneuerungsprogramm


Eisner legte die Ergebnisse für das erste Quartal einen Tag vor der Eröffnung des neuen Disney-Parks im kalifornischen Anaheim vor. Disney’s California Adventure ist Teil eines 1,4 Mrd. $ teuren Erneuerungsprogramms für die Disneylands. Neue Parks in Tokio, Paris und Hongkong sollen folgen. Im ersten Quartal stieg der Umsatz der Sparte um neun Prozent auf 1,7 Mrd. $. Der Gewinn betrug mit 385 Mio. $ rund ein Drittel des Konzerngewinns .


Der Umsatz des gesamten Konzerns betrug im Quartal 7,3 Mrd. $, ein Plus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.



Hohe Verluste bei Go.com


Die Internetgruppe machte einen Verlust von 81 Mio. $. Zu der bislang separat an der Börse notierten Internetgruppe gehörte das vergangene Woche dichtgemachte Internetportal Go.com. Das Portal, dessen Publikum fast nur aus der zugekauften Suchmaschine Infoseek kam, machte im letzten Geschäftsjahr 242 Mio. $ Verlust. Go.com war der Versuch, gegen Marktführer Yahoo anzutreten. Nun will sich der Konzern auf die Websites ABC.com oder ESPN.com konzentrieren, die wie Disney.com oder von bekannten Disney-Markennamen profitieren. Go.com konnte sich nie als Marke etablieren.


Der Bereich "Media Networks" steigerte zwar den Umsatz um sechs Prozent auf 2,9 Mrd. $, aber der Gewinn sank um acht Prozent auf 590 Mio. $. Schuld daran waren die sinkenden Werbeeinnahmen, niedrige Einstellquoten und höhere Programmkosten bei ABC.


Glücklos war das Geschäft mit Disney-Merchandising, zu dem die Disney-Läden gehören. Dort sank der Umsatz um sechs Prozent auf 828 Mio. $, der Gewinn sackte sogar um 13 Prozent auf 177 Mio. $ . Nach Angaben von Disney-Managern sollen in den kommenden Quartalen vor allem die Disney-Geschäfte im internationalen Markt ausgebaut werden. Dort sei man noch nicht genügend aggressiv vorgegangen.

© 2001 Financial Times Deutschland


Jens Uwe Kupka
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