Neues von der Front
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Phantasialand braucht Fläche
Nun wird neu abgestimmt
Von Manfred Theisen
Brühl. Wer ein Aquarium hat, kennt das Phänomen: Zierfische passen sich der Größe des Beckens an. Das Phantasialand hat das bislang auch getan und ist seit 19 Jahren nicht mehr gewachsen - nicht in die Länge und nicht in die Breite.
Und nach oben hin wird es auch gedeckelt. Resultat: Brühl ist mit 28 Hektar Fläche der Bonsai unter den schillernden Freizeitparks - dabei gehört er mit 2,3 Millionen Besuchern zu den Riesen seiner Branche in Deutschland.
Da aber ein solcher Park kein Zierfisch ist, braucht er irgendwann ein größeres Becken. Zu dem Schluss kam nun auch ein Dortmunder Stadtplanungsbüro.
Denn die Konkurrenz in Sachen Freizeitpark wächst - neben Europa-Park und Warner Bros. Movie World oder dem Holiday Park wird es demnächst wohl auch noch den ZDF-Park geben und der Europapark denkt an ein zweites Standbein.
Und wenn das Phantasialand weiterhin auch das Wörtchen Park in Freizeitpark nicht völlig abschaffen möchte, muss es Erholungsräume bieten.
Die Studie beinhaltet elf Punkte, wie das Phantasialand fit für die kommenden Jahre gemacht werden kann - allesamt nur Vorschläge.
Gestern traf sich nun eine der beiden Interessengemeinschaften und lehnte gleich alle elf Punkte ab, wie ihr Sprecher Hans Szymanski erklärte:
"Das ist doch alles nur Geklecker. In fünf Jahren haben wir wieder das Problem, und wohin wird sich das Phantasialand dann ausbreiten?"
Die Badorfer fürchten den Lärm und das Sinken ihrer Grundstückspreise, wenn das Phantasialand sich verändert.
Das Pikante an der Geschichte: Zur Zeit läuft ein 37 000 Mark teures Mediationsverfahren, um Phantasialand und vor allem Anwohner zum Konsenz zu bewegen.
"Aber den wollen sie anscheinend gar nicht." Die Marketingleiterin des Freizeitparks, Birgit Maria Harpke, ist geschockt.
"Wir lassen uns hier in die Karten gucken und beauftragen extra ein Büro und alles wird pauschal abgelehnt. Was soll das?"
Die Attraktionen woanders bauen Am kommenden Mittwoch trifft sich die Mediatonsrunde wieder und Szymanski sagt jetzt schon, was er vorschlagen wird:
"Die sollen ihre Rutsche oder den Zug im rekultivierten Braunkohlegelände jenseits der B51/L194 oder in Richtung Müggenhausen bauen.
Dort könnte doch irgendwo dann ein Phantasialand II stehen." Die Steuern könne man trotzdem in Brühl behalten. Das sei möglich, so weiß Szymanski.
Im Phantasialand schüttelt man derweil nur noch mit dem Kopf. Denn andernorts stehen die Bürgermeister Schlange, um ihr Stadtsäckel aufzufüllen und die Anziehungskraft ihres Ortes mit einem Freizeitpark zu verbessern.
"Wir stehen voll hinter dem Phantasialand", sagt die Brühler Dezernentin Elisabeth Hackstein. "Den Politikern ist wohl bewusst, was der Park für uns bedeutet. Schließlich ist auch in unserem Tourismuskonzept das Phantasialand wichtig."
Die Anwohner indes - jedenfalls jene in der Interessengemeinschaft - sehen das anscheinend anders, auch wenn Szymanski gebetmühlenartig betont:
"Wir haben nichts gegen das Phantasialand." Und dann nachlegt mit den Worten: "Aber wir waren zuerst da."
Schwierig für das Phantasialand scheint zur Zeit die Angst der Stadt. Die versucht möglichst jeden Fehler zu vermeiden und macht sie. Jüngstes Beispiel:
Die 50-seitige Beschlussvorlage der Stadt für die Ratsmitglieder zum Bebauungsplan "Phantasialandhotel" war nicht vollständig. Die gutachterliche Stellungnahme zur Anwendung der Freizeitrichtlinie fehlte.
Das sei inhaltlich unproblematisch, heißt es von Seiten der Stadt. Um den rechtsfehlerhaften Beschluss nun juristisch zu heilen, werden Ausschuss und Rat nochmals abstimmen müssen.
Derweil wird im Phantasialand geplant: "Ich habe hier vor mir im Büro die Pläne hängen und nächstes Jahr wird das Hotel eröffnet." Das meint der zuständige Architekt Andreas Schubert.
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Stichwort
Freizeitpark bringt über elf Millionen
Die Steuerkuh
Brühl. Geredet wird viel übers Phantasialand. Doch was bedeutet die Freizeiteinrichtung sonst noch für Brühl und den Erftkreis?
Die Stadt wirbt mit ihm und es ist der eigentliche Magnet für Brühl: So gehen die Übernachtungszahlen hoch, wenn der Freizeitpark im Frühjahr öffnet und runter wenn er im Herbst schließt.
Und es kommen rund zwei Millionen Tagestouristen wegen des Freizeitparks und nur 400 000 Gäste wegen Schloss, Karlsbad oder Veranstaltungen in die Innenstadt.
Daneben klingelt es teilweise auch kräftig im Stadtsäckel, wenn das Phantasialand an Umsatz-, Lohn-, Körperschafts- und Gewerbesteuern sowie Abgaben 11 423 781 Mark ans Finanzamt zahlt - laut Phantasialand.
Daneben wendet der Betrieb 32 Millionen für Lohnkosten auf - 375 ganzjährige Angestellte und 980 Saisonarbeiter.
Die meisten von ihnen kommen aus der Region Brühl/Erftkreis, Euskirchen und Köln.
"Wir beiten neben den am Arbeitsmarkt kaum noch vorhandenen Arbeitsplätzen für ungelernte Kräfte auch eine Vielzahl von qualifizierten ganzjährigen Funktionen", so die Auskunft des Phantasialands.
Darunter sind Jobs vom Architekten bis zum Zimmermann.
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Kommentar
Pannen
Von Manfred Theisen
Wäre es nicht so wichtig für den Erftkreis, dann könnte man drüber lachen. In Brühl wird mit einem der größten Steuerzahler schon derbe umgesprungen.
Seit Jahren plant der Betrieb ein Hotel für den Freizeitpark. Nach vielem Gewürge, nach Protest der Anwohner und nach Einleitung eines teuren Mediationsverfahrens, wird der Bebauungsplan im Rat abgestimmt. Nun kommt heraus:
Die Unterlagen zur Abstimmung waren nicht vollständig. Also heißt es für die Ratsmitglieder erneut: Arm heben.
Das muss ein Schlag ins Gesicht des Unternehmers Robert G. Löffelhardt sein. Der bemüht sich, seinen Betrieb fit fürs neue Jahrhundert zu machen und ständig passieren im Rathaus Pannen.
So beantwortet statt des Bürgermeisters eine beauftragte Firma plötzlich Anfragen in Sachen Bebauungsplan.
Ein professionelles Management wäre besser - für Bürger und Unternehmer.
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Puuh, viel Stoff zum Diskutieren
JUK
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