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Foren-Name: Tagesberichte & Fotoserien
Beitrag Nr.: 3267
#0, Everland, Lotte World & Seoul Land, Mai 2008
Geschrieben von WingOver am 15-Jun-08 um 13:48 Uhr
Servus,

auf der Rückreise nach einem dreimonatigen Work&Travel-Aufenthalt in Neuseeland habe ich vom 9. bis zum 13. Mai einen Stopover im grandiosen Seoul eingelegt. Ich hatte Glück mit dem Zeitpunkt meines Besuchs, da wegen Buddha's Birthday am 12. Mai die ganze Stadt festlich geschmückt und vermutlich noch aufgedrehter war, als sie normalerweise ist - sofern man bei Asiaten von "aufgedreht" und bei Seoul von "normal" sprechen kann ...
Jedenfalls habe ich neben Tempeln, Märkten, Malls, Aussichtspunkten, historischen Bauten und einigen anderen interessanten Sehenswürdigkeiten auch die drei Parks in und vor der Stadt besucht - Everland, Lotte World und Seoul Land.
Allerdings möchte ich gleich vorweg sagen, dass ich mich beim Fotografieren meistens auf die Achterbahnen beschränkt habe, da meine Zeit in den Parks leider sehr knapp bemessen war und diese zudem so voll waren, dass insgesamt nur extrem wenige Fahrten möglich waren: In allen Parks zusammen waren es ganze elf Achterbahnfahrten.

Ich hoffe, in den nächsten Tagen immer mal wieder etwas Zeit zu finden, um berichten zu können.


Viel Spaß beim Lesen,

Christian


#1, RE: Everland, Lotte World & Seoul Land, Mai 2008
Geschrieben von StefanR am 15-Jun-08 um 15:34 Uhr

Dann aber auch bitte die Bilder von Buddahs Geburtstag nicht vergessen. Wie es in den Parks aussieht, weiß ich ja

Danke, Stefan


#2, 10. Mai: Everland
Geschrieben von WingOver am 16-Jun-08 um 18:30 Uhr

Servus!

Früh am Morgen versuchte ich, mit dem teuren, aber unbezahlbaren Lonely Planet von Seoul im Gepäck den Honam Terminal am Express Bus Terminal zu finden, von dem aus der "Everland Express" abfahren sollte. Bus, Terminal und (wenigstens ansatzweise verständliches) Englisch sprechende Infoserviceleute waren allerdings beim besten Willen in dem unbeschreiblichen Gewühle nicht aufzufinden. Also wählte ich den im Buch beschriebenen Plan B und fuhr zur Gangnam Station, wo ich auf eine etwa hundert Meter lange Warteschlange für den Bus 5002 stieß, die rasch wuchs. Zum Glück fuhren alle 15 Minuten Busse auf dieser Linie, diese waren aber entsprechend voll und sehr niedrig. Ich stand mit meinen 1,88 Metern im Mittelgang an der Decke an. Wir kamen in einen Stau, der die Fahrzeit von angegebenen 50 Minuten mehr als verdoppelte. Bei der Fahrweise der Busfahrer in Seoul hatte das auch seine gute Seite, allerdings war ich so erst gegen 12 Uhr am Parkeingang. Vor mir checkte eine "Seoulitin" mit ungefähr einem Dutzend schillernden, reflektierenden, quietschbunten, abgedrehten und mit Comicfiguren übersäten Bankkarten in aller Ruhe ihre Großfamilie ein, das zog sich weitere 20 Minuten lang hin. Toll fand ich, dass das Everland für ausländische Besucher einen kleinen Rabatt gewährt - man muss sich nur vorher einen Coupon ausdrucken. Bei den derzeitigen Wechselkursen lag der Eintrittspreis somit sehr moderat bei etwas über 20 Euro.

Im Park verschlug es mich als allererstes zu der mit Abstand besten Bahn, die ich bisher gefahren bin und der ich regelrecht entgegengefiebert habe. Doch dazu später mehr, los geht's mit dem T Express.


T Express

Leider hat diese Bahn meine Erwartungen nicht erfüllt. Ich war sehr gespannt, da die ungeheuren Ausmaße der Bahn, die vom Wartebereich und vom gegenüberliegenden Hang aus wunderbar wirken, ziemlich beeindruckend sind, man von Balder und dem Intamin-System generell viel Gutes liest und der erste Teil des Layouts absolut irre aussieht. Auch bei der Thematisierung hat man sich große Mühe gegeben und eine ganze Menge an interessanten Details installiert. In der großzügigen, aber lieblosen Station wählte ich wegen dem First Drop die erste Reihe des letzten Wagens. Mit dem Kabellift ging es sanft und schnell nach oben, und der First Drop nach der Panoramakurve mit seinem Headchopper im Tal war auch wirklich gut. Dafür war die Airtime auf dem ersten Hügel nicht so intensiv, wie es von außen den Anschein hatte, und die Einfahrt in die pervers geile Kurvenkombination war ein bisschen unstimmig. Die extravagante Fahrfigur fuhr sich hingegen großartig und extrem schnell. Der Zug schwang sich hinauf in die Blockbremse und wurde etwas verzögert. Die Blockbremse ist hier leider quasi eine Art Schlussbremse - der Abschnitt zwischen Lift und Bremse war ja noch ziemlich gut, aber danach kommt einfach nicht mehr viel. Der Zug rappelt unmotiviert und trotz der Mittagshitze viel zu langsam (In den Kurven hing ich immer seitlich im Gefährt und hatte den Eindruck, mit Schrittgeschwindigkeit durch das Gebälk zu rollen ...) einen einfallslosen und erschreckend gleichförmigen Kurs entlang und macht weder von der Höhe noch von den einmaligen Möglichkeiten, die die außergewöhnliche Hanglage geboten hätte, Gebrauch. Ein kleiner Hügel reiht sich an den anderen und schneller, als man erwartet hätte, befindet man sich in der "offiziellen" Schlussbremse.
Ich bin noch nicht mit sonderlich vielen Holzachterbahnen gefahren und kann/möchte T Express deshalb nicht direkt mit irgendwelchen anderen Bahnen vergleichen, aber rein vom Spaßfaktor her kann ich sagen, dass ich beispielsweise auf Sierra Tonante 10-mal mehr Spaß gehabt habe. Für die gewaltigen Dimensionen der südkoreanischen Bahn kam mir persönlich einfach viel zu wenig pure Fahrfreude rüber.
Ich nehme mir anlässlich einiger Kommentare, die in diese Richtung gingen, einfach mal heraus, zu behaupten, dass T Express leider nie im Leben ein ernstzunehmender Kandidat für einen Spitzenplatz der Weltrangliste ist. Wahrscheinlich sorgt die Exotik aber leider doch für genug Erotik (Schlecht, ich weiß ...), damit die Bahn weit nach oben kommt.

Die Warteschlange begann schon weit vor dem neuen Themenbereich und führte durch diesen in einer weiten Schleife hindurch, bevor es in den eigentlichen, langen Wartebereich ging. 170 Minuten waren angegeben, etwa 120 waren es dann tatsächlich:

Man beachte bitte das "Herzlich willkommen" im Hintergrund:

Ein kleiner Vorgeschmack am Eingangstor zum "Alpine Village":

Mahlzeit:

Der Eingang zum ersten Gebäude:

Im Gebäude, wo ein Infofilm zur Bahn gezeigt wurde:

Von Interlaken an eine südkoreanische Holzachterbahn - nicht schlecht:

Der Wartebereich nach dem ersten Gebäude:

Beeindruckender Holzwald:

Im Gegenlicht:

Sehr nettes "Bauleitungsquartier" in der Warteschlange:

Vor dem Eingang zum Stationsgebäude befand sich eine gute Aussichtsplattform. Ganz ohne Stahl ging's nicht:

Wenige Wochen nach der Eröffnung ... Aber trotzdem kein Vergleich zu Atlantis Adventure. Grauslig:

Eines von mehreren Gemälden in der Station. Schöne Idee. Der Weg wird aber trotzdem zum Geländer:

Nach der Fahrt:

Imposant ist die Bahn allemal:

Besonders vom Tal aus kommt sie super zur Geltung:


Rolling X-Train

Das Beste an dieser Bahn ist der Ausblick vom Lifthill aus auf Eagle's Fortress. Besser als von hier ist diese Bahn vermutlich vom Park aus nicht einsehbar, aber sehr viel sieht man auch von hier aus nicht. Die Fahrt des Arrow-Coasters war ganz ordentlich – zwar rappelig, aber schwungvoll.

Nur ein Bild:


Eagle's Fortress

Diese großartige Bahn hat für mich etwas ganz Seltenes geboten: fast völlige Unkenntnis des Layouts. So ziemlich alle Bahnen, die ich bisher gefahren bin, habe ich vorher automatisch im Kopf mehrmals durchgespielt; keine Kurve war mehr eine richtige Überraschung, keine Fahrfigur etwas wirklich Neues. Hier war es das erste Mal seit Langem wieder anders: Natürlich habe ich mir vorher mal das youtube-Onride angesehen, aber davon blieb keine Vorstellung des genialen, vertrackten Layouts im Kopf zurück. Meine beiden Fahrten - beide Male Frontseat - waren somit ein einziger Rausch. Die Wartezeit war mit 120 Minuten angegeben, etwa 70 Minuten waren es dann jeweils.
Der Zug rollt zunächst gemächlich durch eine Rechtskurve auf den unrhythmischen Lift. Selbst am höchsten Punkt befindet sich dieser nur ein paar Meter über dem Boden. Der Zug gleitet in eine enge 270°-Rechtskurve, die sich ans Gelände anschmiegt, unterquert den Lift und passiert eine Linkskurve, die ihn parallel zum Lift in einen langen, steilen, geraden Drop entlässt. Der Zug schießt nach rechts in eine weite Aufwärtshelix, ändert die Richtung und rauscht in einem famosen, extrem schnell durchfahrenen Abwärtsslalom an der Station vorbei wieder in den Wald hinein. Die dort folgenden Links-rechts-Kombinationen sind nicht in Worte zu fassen - man glaubt, jeden Moment in einer Baumkrone oder im dichten Geäst zu landen, das den gesamten Kurs wie Tunnelwände extrem eng einschließt und obendrein Stützen und Schiene komplett ausblendet. Der Zug scheint obendrein einfach nicht langsamer zu werden. Eine enge 270°-Aufwärtshelix nach links mit anschließender Rechtskurve bringt den Zug wieder auf Kurs Richtung Station. Bevor er diese erreicht, folgt allerdings noch ein atemberaubendes Finale aus schnellen Richtungswechseln, eine regelrechte Orgie aus Pendelbewegungen und meterhohen Drops, bei denen man ständig glaubt, der Zug würde sich im nächsten Moment nach oben hin um die Schiene herumwickeln oder wegen seiner wahnwitzigen Fahrweise zumindest unbequeme Bekanntschaft mit ihr machen. Wild schaukelnd erreicht man die Bremsen.
Das breite Grinsen nach den Fahrten kommt heute noch wieder, wenn ich nur daran zurückdenke. Diese Bahn ist schnell, unvorhersehbar, sanft, lang, überraschend, fordernd und wild; das Layout ist eine ausgefeilte, perfekt ans Gelände angepasste stählerne Dramaturgie mit spannungsgeladenem Intro, eindrucksvollem Start und ständiger Steigerung bis zum Ende hin. So schön kann Achterbahnfahren sein. Eine absolut unglaubliche Bahn und mit großem Abstand meine neue Nummer 1.

Die Warteschlange vor dem Stationsgebäude:

Weite Teile der Warteschlange befinden sich unter der riesigen Plattform des Bremsbereiches. Obwohl es keine Wände gibt, fühlt man sich wie in einer riesigen Halle. Zwischen den Bäumen rauschen immer wieder blitzschnell die beiden Züge durch:

Heizung:

Mehr kriegt man von außen vom Lift nicht zu sehen:

Über die Lifteinfahrt drüber geht's an der Station vorbei:

Ich hätte ja wirklich gern mehr Bilder gemacht, aber man sieht ganz einfach nicht mehr von der Bahn. Keine Chance. Zum Abschluss noch mit Zug:

Schade, dass man sich bei T Express nicht ein bisschen von diesem Schatz im Wald hat inspirieren lassen – die Hanglage des Woodies ist prinzipiell nicht viel schlechter, aber mehr als ein bis auf den Anfang aufgebockter Hopserkurs, dessen Strecke nur wenige Male zaghaft und fast unbemerkt dem Boden nahe kommt, ist dabei leider nicht herausgekommen. Dafür lohnt allein Eagle's Fortress einen Stopover in Seoul und die etwas umständliche Anfahrt allemal.

Zum Rest des Parks kann ich nicht so viel berichten, da es nach den oben beschriebenen vier Fahren schon recht spät war und ich nicht mitten in der Nacht nach Seoul zurückfahren wollte. Deshalb bin ich zwischen den Fahrten mehr oder weniger ziellos über das Gelände gelaufen und habe mir die anderen Attraktionen etwas angesehen. Im Park befanden sich riesige Hallen, eine gewaltige tempelartige Bühne, Wasserflächen, große Plätze, zwei Kinderachterbahnen, ein Sessellift, ein Fließband wie am Flughafen für die ganz Faulen, unzählige kleinere Rides und sehr schön gestaltete Gartenanlagen. Außerdem war es überall auffallend sauber. Die Thematisierung war zwar für meinen Geschmack zu bunt und zu kitschig, ergab aber ein interessantes Gesamtbild und eine insgesamt recht nette Atmosphäre im Park. Die viel zu laute und schreckliche Musik, die einem überall entgegenschallte, könnte man sich aber sparen.

Eine ungeheuer große, doppelte Schiffschaukel - erschreckenderweise fast mein einziges achterbahnfreies Bild:

Interessant fand ich die Art und Weise, wie die Abfertigung in den südkoreanischen Parks ablief. Alles geht nur unter viel Zeitaufwand, dämlichem Gewinke, lautem und extrem nervigem Gedudel und ständigen Moderationen und Gesangseinlagen eines meistens heiseren Operators vonstatten. Ich empfand das als einen starken Kontrast zu den sonst so durchorganisierten, effizienten, leisen und ordentlichen Abläufen in der Subway oder den Bussen. Genau genommen war es richtiggehend anstrengend, hatte aber auch irgendwo seinen Reiz.

Auf der Rückfahrt standen wir zwar wieder im Stau, aber ich konnte einen Sitzplatz ergattern und habe bis Gangnam ganz wunderbar geschlafen.


Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Fragen.

Christian


#3, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von WP am 17-Jun-08 um 09:36 Uhr


Danke, sehr interessant!

Hast du eventuell noch mehr Fotos von Everland? Auch wenn sie unscharf oder überbelichtet sind - egal! Her damit


#4, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von Gronau am 18-Jun-08 um 23:24 Uhr

Super - vielen Dank für den Bericht. Everland ist auf jeden Fall ein sehr interessanter Park. Direkt nebenan ist auch noch ein gr. Wasserpark, der dazu gehört.

Kompliment vor allem, dass Du Dich so lang in die Warteschlangen stellst. Das nervt so endlos, wenn man so NULL versteht, was um einen herum abgeht. Das Geritzel ist ja PHL und MP Style... schade. Sind die Leute auch so hektisch beim Anstehen, ähnlich wie in Italien? Schlimm, dass die Abfertigung offenbar so langsam geht. Sowas nervt MICH immer zu tode (Ineffektivität).

Danke für den Aufwand all diese Bilder on zu stellen. Freue mich sehr auf Fotos von Lotte World!


#5, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von Tyker am 19-Jun-08 um 11:10 Uhr

Mein Gott, ist es da immer so voll, oder war der Besuchtermin einfach unglücklich?

PS: Mehr Fotos


#6, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von mpegster am 22-Jun-08 um 00:35 Uhr

>Eine ungeheuer große, doppelte Schiffschaukel - erschreckenderweise fast mein einziges
>achterbahnfreies Bild:
>

Und alle die wie Ich noch das Reisende "Traumschiff" gebaut von Huss kennen (Welches mittlerweile ja in Moskau zuverlässig seinen Dienst verrichtet!) können sich vorstellen welche Ausmaße diese Doppelanlage des "Traumschiffes" hat.

Wahrlich ein Koloss alleine für dieses Foto einen Herzlichen Dank (mit einem Foto vom vierten 2erBreaker würdest du mich jetzt endgültig glücklich machen)


#7, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von StefanR am 22-Jun-08 um 04:20 Uhr

Gruesse, Stefan


#8, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von mpegster am 22-Jun-08 um 22:12 Uhr

Danke aber dabei handelt es sich imho doch um kein aktuelles Bild, zumindest kommt es mir doch sehr bekannt vor.

Oder irre ich mich da und entgegen anderslautenden gerüchten ist das Teil doch noch im Originalzustand?


#9, RE: 10. Mai: Everland
Geschrieben von StefanR am 24-Jun-08 um 03:34 Uhr

Das Foto ist tatsaechlich nicht von gestern, aber ich wuesste auch nicht, was man da geaendert haben sollte. Was fuer Geruechte sind denn da wohl im Umlauf?

Der "Break Dance" steht nicht in "Rocksville" ...

Gruesse, Stefan